Käthe Kruse

Die tödliche Doris

Die Tödliche Doris wurde 1979 von Wolfgang Müller und Nikolaus Utermöhlen gegründet als sie ihren ersten S-8 Film „Material für die Nachkriegszeit“ an der Hochschule der Künste realisierten. Mit Dagmar Dimitroff am Schlagzeug brachten sie 1981 die Maxi-Single, bekannt als 7 tödliche Unfälle im Haushalt und 1982 die LP „“ heraus. Käthe Kruse spielte am 25. Januar 1982 das Schlagzeug im Kino Arsenal, Berlin und brachte das Naturkatastrophenkostüm auf die Bühne.

Die Tödliche Doris, Aufführung des Naturkatastrophenballett im Arsenal Kino Berlin, 1982

Der Begriff „Geniale Dilletanten“, einst von Blixa Bargeld kreiert, wurde der Inbegriff für die neue Musik, die in Berlin zu erleben war, eine Musik, die sich in keine Kategorie packen ließ. Meistens waren es einfache Rhythmen, die dann mit möglichsten und unmöglichsten Instrumenten zerhackt, auf den Kopf gestellt oder zerquetscht wurden. Und da kommt das Grundverständnis der Genialen Dilletanten zum Vorschein, dass eben jeder Musik machen kann, der Ideen und Energie hat. Chöre & Soli ist 1984 erschienen. Mit dieser Plattenbox hat sich Die Tödliche Doris dem Automatismus entzogen, mit dem bei Bands die Schallplatten miteinander verglichen wurden. Sie produzierten acht verschiedenfarbige Miniphon-Platten mit je 20 Sekunden langen a cappella Liedchen, dazu ein batteriebetriebenes Abspielgerät und ein Textfotoroman-Heft. Zur Performance filmten sie ein Tapetenbuch mit einer Maske ab und nannten den Film Tapete. Es entstand ein Breitleinwand S-8 Film. Insgesamt haben sie acht Schallplatten herausgebracht, eine davon ist unsichtbar.

Die Tödliche Doris, Chöre und Soli, FILM, 1984

Die Tödliche Doris, Werbespot Chöre und soli, 1985

Die Gesamtheit allen Lebens und alles Darüberhinausgehende ist eine Serie von Gemälden. Es braucht 44 Bilder um die ausgewählte kaleidoskopische Bewegung eines Werbespot-Trennfilms zu zeigen. Wenn alle Bilder nebeneinander an vier Wänden im Raum hängen und sich eine Person augenzwinkernd in der Mitte des Raumes im Kreis dreht kann sie die filmische Bewegung sehen. Die Titel aller Bilder ergeben den Text für das Lied Ungerechtigkeit Teil II (20 Pfennig Finderlohn). Der Katalog nimmt die Idee des Daumenkinos auf.

im Atelier, Künstlerhaus Bethanien, Berlin, 1985

Arbeit an Die Gesamtheit allen Lebens und alles Darüberhinausgehende, 1985

Für ihre Bühnenshow 15 Vorstellungen, die sie manchmal mit Tabea Blumenschein präsentierten, entwarfen sie Kostüme und drehten Filme als Kulisse. Die Kostüme transformierten sie in den neunziger Jahren zu Kunstwerken und brachten die CD Die unsichtbare 5. LP materialisiert als CD in ihrem Plattenverlag Die Tödliche Doris Schallplatten heraus.

Die Tödliche Doris in Osnabrück, Nikolaus Utermöhlen, Wolfgang Müller, Tabea Blumenschein und Käthe Kruse (v. l. n. r.), 1984

Sie erarbeiteten Mitte der Neunziger Jahre einen Vertrag, eine Art Werkverzeichnis, eine Art Überordnung ihres gesamten Werkes. Der Vertrag versteht sich auch als Legitimation, dass jeder* der drei Mitglieder alles wieder bearbeiten und verwandeln und benutzen darf. Natürlich unter Einhaltung der Urheberrechte.

Die Tödliche Doris an der Strandpromenade von Blankenese, 1985

Käthe Kruse, Nikolaus Utermöhlen und Wolfgang Müller (v. l. n. r.), Düsseldorf, 1985

Nachdem sie an Orten wie dem Musée d’Art Moderne, Paris, dem Museum of Modern Art, New York und der documenta 8 in Kassel musiziert und ihr Werk ausgestellt hatte, fand Die Tödliche Doris es im Herbst 1987 an der Zeit sich aufzulösen. Für sie war es die einzige Konsequenz, da sie sich nicht professionalisieren wollte. Die Tödliche Doris vervielfachte sich, indem sie die Schule der Tödlichen Doris gründete. Ihr letztes gemeinsames Konzert gaben Kruse/Müller/Utermöhlen als Die Tödliche Doris im November 1988 in Tokio.

Wolfgang Müller, Käthe Kruse und Nikolaus Utermöhlen (v. l. n. r.) im Kumpelnest 3000, Berlin, 1988

Das letzte Konzert, Tokio, 1988