Biographie
Die Künstlerin Käthe Kruse (*1958) ist seit den frühen 1980er Jahren fester Bestandteil der West-Berliner Kunstszene. Als Mitglied des bekannten Kollektivs Die Tödliche Doris arbeitete sie von 1982 bis 1988 im Grenzbereich zwischen Performance, Musik, Text, Malerei und Film. Damit positionierte sich die Gruppe als Gegengewicht zur etablierten Kunstszene der Stadt. Auch in ihren Solo-Projekten behielt Käthe Kruse das genreübergreifende Arbeiten und den bewussten Dilettantismus bei und entwickelt raumgreifende Installationen, die unterschiedliche Medien und Ausdrucksformen miteinander verbinden. Ausgangspunkt sind für sie dabei häufig Alltagsgegenstände, die sie materiell verändert und ihnen damit neue Bedeutungen zuschreibt. Käthe Kruses Werke sind oft eng mit ihren persönlichen Erfahrungen verbunden, beziehen sich aber auch auf gesamtgesellschaftliche Probleme und Fragestellungen, wie häusliche Gewalt, Abtreibung und Krieg. Dazu hat sie Doppel-LP’s wie Krieg und 3927 Wörter herausgebracht und Performances entwickelt.
Sie hatte Ausstellungen unter anderem in der Kunsthalle Bremerhaven, im Centre d’art contemporain in Lausanne, in der Galerie der Stadt Schwaz, im Marta Herford, im Kunstraum Wien und im Badischen Landesmuseum im Schloss Karlsruhe. In der Reihe Grenzgängerinnen präsentierte die Berliner Galerie Nord Künstlerinnen, die sich über Grenzen und Genres hinwegsetzen und diese erweitern, 2020 war die Ausstellung Käthe Kruse gewidmet. Die Berlinische Galerie würdigte 2025 mit der ersten umfassenden institutionellen Ausstellung Jetzt ist alles gut in Berlin das Schaffen von Käthe Kruse von den 1980er Jahren bis heute. Ihre Filme waren 2025 in der Ausstellung 4 94 h 29 m 53 s in der Akademie der Künste Berlin in der Sammlung des n.b.k. Videoforums zu sehen. 2026 ist in der Ausstellung Unruly – The body in punk im ARoS Aarhus Kunstmuseum zu sehen. 2027 wird sie mit Ordnungen ihres Lebens die erste Einzelausstellung im Neubau des LWL-Museum Hellerlecht, Westfälisches Landesmuseum für Kultur und Geschichte in Detmold eröffnen.
Käthe Kruse studierte von 1990 bis 1996 Visuelle Kommunikation an der Hochschule der Künste (heute UdK) in Berlin. Sie war Meisterschülerin bei Heinz Emigholz und erhielt 1997 das Stipendium Nachwuchsförderung. 2004 erhielt sie das Arbeitsstipendium der Stiftung Kulturfonds, Berlin und 2008 das Arbeitsstipendium Bildende Kunst der Senatskanzlei für kulturelle Angelegenheiten Berlin. 2021 wurde sie mit dem Peter Jacobi Werk Preis der Peter Jacobi Stiftung für Kunst und Design in Pforzheim ausgezeichnet. Von 2020 bis 2023 erhielt sie das Stipendium NEU START KULTUR der Stiftung Kunstfonds in Bonn. 2025 war sie für die Longlist des Gabriele Münter Preis und für die Shortlist des Marianne Werefkin Preis nominiert. Seit 2023 ist sie Präsidentin des Internationalen Künstlergremiums (IKG).